Das Auto bleibt das Hauptverkehrsmittel: 51 Prozent aller Wege werden mit dem Auto zurückgelegt – trotz guter Alternativen und überwiegend kurzer Entfernungen.
Hohe Potenziale für Verhaltensänderung: 55 Prozent aller Wege sind kürzer als 5 Kilometer, dennoch dominieren eingespielte Routinen statt bewusster Verkehrsmittelwahl.
Multimodale Mobilität noch wenig etabliert: 63 Prozent der Bevölkerung nutzen im Alltag überwiegend nur ein Verkehrsmittel; nur 31 Prozent sind multimodal unterwegs.
Zunehmende Nutzung nachhaltiger Mobilitätsangebote: Deutschlandticket und Jobtickets sowie die breite Verfügbarkeit von Zeitkarten – etwa für Studierende – tragen zu einer stärkeren Nutzung und Normalisierung nachhaltiger Mobilitätsangebote bei.
Mobilitätsmanagement wirkt punktuell, nicht flächendeckend: Institutionelle Angebote bestehen, sind aber bislang kaum systematisch oder quartiersbezogen verankert.
Umsetzungsstand der Maßnahmen zu Mobilitätsmanagement & -kultur* aus dem VEP 2030
Fortführung von MOBIA durch mobisaar: Der Lotsenservice mobisaar ergänzt bestehende Mobilitätsangebote, zeigt aber auch, dass die selbstständige Mobilität mobilitätseingeschränkter Menschen vor allem einen barrierefreien und zuverlässig funktionierenden ÖPNV erfordert
Neubürgermappe als Einstieg in nachhaltige Mobilität: Fortführung des bewährten Neubürgerservices mit Informationen zu umweltfreundlichen Mobilitätsangeboten, unter anderem ADFC-Neubürgertouren per Fahrrad, Schnupperticket der Saarbahn sowie einem Gutschein für kostenloses Parken auf innenstadtnahen Flächen
Zunahme fahrradfreundlicher Arbeitgeber in Saarbrücken: Das betriebliche Mobilitäts-management wurde weiterentwickelt: Während zur Erarbeitung des VEP 2030 nur ein Unternehmen als fahrradfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert war, sind es inzwischen vier Betriebe; zudem ist Saarbrücken Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen im Saarland
Schulisches Mobilitätsmanagement: Während schulisches Mobilitätsmanagement vor dem VEP 2030 überwiegend auf Eigeninitiative einzelner Schulen beruhte, wurde es inzwischen ausgebaut und verstetigt, unter anderem durch Schulwegpläne und Maßnahmen zur Schulwegsicherung. Insbesondere an weiterführenden Schulen ist ein weiterer Ausbau sinnvoll.
Einführung des Deutschlandtickets als Kulturwandel: Während 2016 eine regionale Monatskarte in Saarbrücken je nach Preisstufe rund 75 bis 80 Euro kostete und nur begrenzte Gültigkeit hatte, ermöglicht das Deutschlandticket heute einen einfachen, bundesweit gültigen Zugang zum ÖPNV zu einem einheitlichen Preis von 63 Euro
Stärken und Herausforderungen in Saarbrücken
Stärken
Institutionelle Mobilitätsangebote vorhanden: Job-, Semester- und Zeitkarten sowie Begleit- und Beratungsangebote bilden erste Bausteine des Mobilitätsmanagements
Zielgruppenspezifische Ansätze: Mobilitätsangebote für Neubürger und Neubürgerinnen, Senioren und Seniorinnen, Schüler und Schülerinnen und Beschäftigte – ergänzt durch das Junge-Leute-Ticket – sind vorhanden und bilden wichtige Grundlage, müssen jedoch gestärkt, ausgeweitet und verstetigt werden
Verankerung in der AGFK Saarland: Mitgliedschaft Saarbrückens in der AGFK Saarland stärkt den systematischen Austausch, die Qualitätssicherung und die strategische Weiterentwicklung fahrradbezogener Mobilitätsangebote
Steigende Offenheit für nachhaltige Mobilität: Deutschlandticket und neue Mobilitätsangebote stoßen auf zunehmendes Interesse in der Bevölkerung
Herausforderungen
Fehlende Systematik im Mobilitätsmanagement: Maßnahmen sind bislang überwiegend punktuell umgesetzt und nicht flächendeckend oder verbindlich verankert; insbesondere beim betrieblichen Mobilitätsmanagement besteht weiterer Nachholbedarf
Kaum quartiersbezogene Ansätze: Mobilitäts-management findet selten im direkten Wohnumfeld statt, wo alltägliche Routinen geprägt werden
Stark autozentrierte Mobilitätskultur: Der Pkw gilt weiterhin als selbstverständlicher Standard, Alternativen werden häufig als Zusatzlösung wahrgenommen
Begrenzte Sichtbarkeit erfolgreicher Alternativen: Positive Alltagserlebnisse nachhaltiger Mobilität sind noch zu wenig präsent und wirksam
Mobilitätsmanagement systematisch verankern: Von einzelnen Projekten zu verbindlichen kommunalen, betrieblichen und schulischen Mobilitätskonzepten übergehen
Betriebliches Mobilitätsmanagement ausweiten: Jobtickets, Diensträder und Mobilitätsberatung flächendeckend etablieren
Zielgruppenspezifische Ansprache stärken: Mobilitätsangebote gezielt für Neubürger:innen, Schüler:innen, Pendelnde und Senior:innen aufbereiten und kommunizieren
Quartiersbezogenes Mobilitätsmanagement entwickeln: Mobilität im direkten Wohnumfeld organisieren und Alternativen zum Pkw im Alltag sichtbar und nutzbar machen
Mobilitätskultur aktiv gestalten: Nachhaltige Mobilitätsformen als selbstverständlichen Bestandteil des Alltags etablieren
Information bündeln und vereinfachen: Einheitliche, leicht verständliche Mobilitätsinformationen bereitstellen, um Akzeptanz zu erhöhen
Vorhandene Netzwerkstrukturen stärker aktivieren: Das Mobilitätsnetzwerk Saarland bietet grundsätzlich Ansatzpunkte für Beratung und Vernetzung, wird bislang jedoch noch nicht systematisch genutzt